Eine Momentaufnahme nach den Freitod eines guten Kollegen.
Wer bin ich?
Ich denke das andere es besser könnten zu sagen wer ich bin. Natürlich kämen da eine Menge verschiedenster Beschreibungen bei rum. Das würde so weit gehen das einige Menschen sich fragen würden über wem redet er/sie da eigentlich?
Also schreibe ich mal aus meiner Sicht wer ich denn so bin.
Ich bin in erster Linie ein “Suchender”!
Immer wieder suche ich den Weg zu meiner Mitte. Wie auch immer das gekommen ist und was auch immer geschehen ist das ich so bin habe ich im verlauf meines Lebens immer wieder mit den verschiedensten “Mitteln” versucht raus zu bekommen. Durch sehr viele Gespräche und Therapien weiß ich zumindest das meine “Erscheinung” oft im Widerspruch zu meinem “Inneren” steht.
Dann ist da noch der Teil von mir der finden will.
Doch finden gelingt mir meist erst dann, wenn ich aufhöre zu suchen. Na und aufhören zu suchen kann ich wohl erst dann, wenn ich näher an meine Mitte komme. Wenn euch das nun ein wenig kompliziert erscheint, dann glaube ich seid ihr möglicherweise ein stück in der Lage zu erahnen wie chaotisch das für mich ist.
Hin und wieder fällt es mir dermaßen schwer das ich alles, aber auch alles hin schmeißen will weil ich kaum noch Kraft habe es durch zu stehen. Es macht mich „Wahnsinnig“. Zumindest kommt es mir so vor. Die totale Hilflosigkeit macht sich dann in mir breit und nichts geht mehr.
Alles was mich nach vorne bringen könnte bleibt mir verborgen, so das ich keinen Ausweg mehr sehe.
Das ein oder andere mal hätte mir diese Verzweiflung wahrlich schon das Leben kosten können. Doch ich bin noch da! Was mich denken lässt das es noch etwas für mich zu „erledigen“ gibt. Beziehungsweise das das Leben noch etwas für mich bereithält.
Gehen wir davon aus das alles um uns herum ein Chaos ist. Dann bin ich mein eigenes Chaos in dem Chaos.
Gehen wir davon aus das es keine Zufälle gibt. Dann bin ich da um Chaos in die Ordnung zu bringen.
Oder gehen wir davon aus das es alles nur Zufall ist das wird sind. Dann….weiß ich auch nicht mehr.
Oder doch, denn im laufe der Jahre habe ich erkannt das ich so zu sagen eine emotionale Behinderung habe. Nicht das ich keine Gefühle hätte oder Emotionen.
Eher im Gegenteil! In mancher Hinsicht sind meine Gefühle so „mächtig“ das sie mich zu erdrücken scheinen. Leider sind diese Gefühle, beziehungsweise die Emotionen dieser Gefühle in den meisten fällen negativ beeinflusst.
Wo diese „Beeinträchtigung“ her kommt weiß ich auch nicht wirklich. Sind sie ein Resultat aus meiner Kindheit? Entstehen sie durch ein Trauma welches ich verdränge?? Oder ist es letztlich ein Konstrukt weil ich nicht dahinter komme was wirklich mit mir los ist? Bin mir da nicht so wirklich sicher. Es deutet jedoch eine ganze Menge darauf hin.
Leider bin ich nicht in der Lage dieses Trauma „auf zu arbeiten“ da ich es nicht erkenne, beziehungsweise nicht weiß wo es herkommt, oder durch was es ausgelöst wurde.
Was mich schlussendlich dazu führt aus dieser Situation das Beste zu machen.
Tja; und das alles fällt mir alles andere als Leicht. Wie schon erwähnt: es hätte mir schon mehrfach das Leben kosten können.
Ich gebe zu das ich absolut keine Lust mehr habe in dieser Schleife gefangen zu bleiben in der ich mich schon Jahrzehnte lang befinde. Einige male gelangt es mir aus zu brechen und einen Weg zu finden der durchaus „Gangbar“ für mich war. Zufriedenheit und auch Glück begegneten mir auf diesem Weg. Gerne wäre ich ihn weiter gegangen. Doch leider bin ich immer wieder gestolpert, hingefallen und erst einmal für länger liegen geblieben. Beinahe auch schon fast zu lange.
Das Aufstehen fällt mir Naturgemäß auch immer schwieriger. Nicht das mir die körperliche Kraft fehlen würde. Nein, es ist die psychische Komponente die mich Gefangen hält in meiner eigenen Hölle der Emotionen.
Panik, depressive Phasen, viele verschiedene Ängste und vor allen ein fast gänzlich fehlender Selbstwert lassen mich allen Mut verlieren.
Einfach mit den Fingern schnipsen und alles ist gut habe ich leider nicht drauf.
Ich habe nicht einmal den Mut den Berg an zu schauen der vor mir liegt, geschweige denn daran zu denken ihn zu erklimmen oder gar ab zu bauen.
Was das mit mir macht??? Hölle………
Die Gedanken daran allein ziehen mich in Gefilde die ich nicht wirklich in der Lage bin zu beschreiben. Deswegen denke ich möglichst NICHT daran um nicht ab zu saufen. Denn das würde zweifelsohne passieren.
Wie ich es bis hier hin geschafft habe ist mir teilweise ein großes Rätsel…..
Diese Zerrissenheit in mir besteht schon sehr lange, konnte ich selbst sie jedoch erst spät erkennen und ausdrücken.
In den letzten 1 ½ Jahrzehnten hat sich die „Arbeit“ daran was zu ändern immer wieder wiederholt. Als wäre es mir nicht möglich vorwärts zu kommen. Ab einen bestimmten Punkt zerstöre ich alles was ich mir aufgebaut habe. So sehr das am Ende nur noch der eine mögliche Weg steht.
Doch da ich diesen nicht gehen kann oder gar gehen will, bleibt mir demzufolge alles was gut für mich war zu nutzen um erneut einen Weg zu finden der „Gangbar“ für mich ist. Mal sehen wer diesmal daran teilnimmt.
Ein guter Kumpel ist Tod. Gestorben am 29.04.2012.
Er hat sich das leben genommen. Hatte es vorher schon angekündigt, es einige mal versucht und am Ende dann den Zug gewählt.
Ich frage mich schon länger ob es „Schwäche“ ist sich das Leben zu nehmen. Doch das kann es ja nicht sein!
Von ihm weiß ich das er glaubte aus seiner persönlichen „Hölle“ nicht mehr raus zu kommen. Seine Frau wollte sich zum Schluss scheiden lassen und durch seine Sucht war er, trotz Beziehung und Familie, am Ende völlig Einsam und allein.
Ein Gefühl welches ich nur zu gut kenne! Sobald dieses Gefühl den Großteil deines „Ich’s“ übernimmt hilft kein Reden oder sonst etwas mehr. Dann kannst nur du selbst noch etwas dagegen unternehmen. Wenn es dir jedoch nicht gelingt da raus zu kommen hört das Leben auf einen Sinn zu haben.
Es wird zum Schmerz und den willst du nur noch weg bekommen. Doch egal was du tust, wie viel du dagegen „nimmst“, es wird immer heftiger so das kein Ausweg mehr zu sehen ist und du nur noch den einen „Aus-Weg“ vor dir hast. Diesen Schmerz zu beenden heißt das Leben zu beenden!
Ich kann das nicht.
Ich hoffe wenn ich diese Beschreibung meiner Selbst ein Jahr später lesen werde das ich dann eine wesentlich positivere Beschreibung über mich abgeben kann.




